Manchmal reicht ein Samstagabend, um sich wieder daran zu erinnern, wie es sich anfühlt, einfach nur zu staunen. Nicht das kontrollierte Staunen, bei dem man innerlich schon die Auflösung sucht – sondern dieses ehrliche, kindliche Nicht-Begreifen, das einem ein Grinsen ins Gesicht drückt. Genau so einen Abend haben meine Frau und ich beim Magic Dinner mit Marco Miele, am vergangenen Samstagabend, im Frauenbad Heidelberg erlebt.

Frauenbad Heidelberg | Bergheimer Straße 45, 69115 Heidelberg | 4,8/ 5 Sternen bei 249 Rezensionen | auf Instagram | Magic Dinner-Webseite

Ab 18 Uhr war Einlass im Frauenbad. Namen oder Reservierungsnummer nennen und schon wurde man an seinen Platz gebracht. Pünktlich um 19 Uhr ging es los. Wir wurden an langen Tafeln platziert, zehn Personen pro Seite, gemeinsam mit Gästen, die wir vorher nicht kannten. Wer hier ein intimes Dinner zu zweit erwartet, liegt falsch – das Format ist bewusst gesellig angelegt.

Anfangs wirkte das wie eine dieser Situationen, in denen man höflich nickt und sich auf seinen Teller konzentriert. Doch spätestens beim ersten Kunststück, als am gesamten Tisch gleichzeitig die Münder offen standen, war das Eis gebrochen. Gemeinsam ungläubig den Kopf zu schütteln verbindet eben mehr als jeder Smalltalk.

Wir haben uns einen Platz mit direktem Blick auf die Bühne gesichert, was sich als gute Entscheidung herausstellte. Fairerweise muss man aber sagen: Selbst von weiter hinten verpasst man nichts, denn oberhalb der Bühne hing eine Leinwand, die das Geschehen für alle Plätze sichtbar übertragen hat. Kleiner Tipp am Rande: Setzt euch neben eure Begleitung statt gegenüber – bei langen Tafeln unterhaltet ihr euch nebeneinander deutlich entspannter als über den Tisch hinweg.

Der bereits erwähnte Gemeinschaftseffekt lag auch am Rhythmus des Abends, der einem klaren Muster folgte: zwei bis drei Kunststücke, dann der nächste Gang, dann wieder Show. Für alle mit Dinner-Paket fühlte sich dieser Wechsel natürlich und angenehm an – man kam zwischen den Gängen ins Gespräch, tauschte Theorien aus, wie dieser oder jener Trick wohl funktioniert haben könnte. Für Gäste mit reinem Show-Ticket sieht die Sache allerdings anders aus. Zwischen den Auftritten lief ausschließlich Musik, sonst passierte nichts. Wer nur für die Magie gekommen war, musste geduldig warten, bis die Essenden ihren Gang beendet hatten. Das sollte man vorher wissen und einkalkulieren.

Was genau auf der Bühne passierte, verrate ich bewusst nicht – erstens, weil das den Zauber zerstören würde, und zweitens, weil ich mir beim besten Willen nicht merken konnte, wie das alles funktioniert hat. So viel sei gesagt: Das Spektrum reichte von Kartentricks über schwebende Tische bis hin zu Momenten, in denen das Publikum unmittelbar Teil der Show wurde. Gäste wurden nach Zufallsprinzip ausgewählt, und zu keinem Zeitpunkt entstand der Eindruck, dass hier irgendetwas abgekartet war.

Mieles Kunststücke sind keine reinen Illusionen, sondern kleine Geschichten, die er mit dem Publikum gemeinsam erzählt. Da schwingt eine Wärme mit, die über technisches Können hinausgeht.

Wenn der Magier an den Tisch kommt

Diese Wärme zeigte sich besonders im Ausklang des Abends. Nach dem letzten Gang verließ Miele die Bühne und kam direkt ins Publikum. Kein schneller Abgang hinter den Vorhang, kein distanziertes Winken – sondern echter, neugieriger Austausch mit seinen Gästen. Das hat dem Abend eine persönliche Note gegeben, die weit über eine klassische Bühnenshow hinausreicht.

Doch auch zwischen den magischen Momenten wurde es am Tisch nicht langweilig, denn kulinarisch hatte der Abend einiges zu bieten. Verantwortlich zeichneten die Teams der Schilling Roofbar und The DJNGL No9, die ein 4-Gänge-Menü servierten – bei der Vorbestellung konnte man zwischen klassisch und vegetarisch wählen.

Die Vorspeise mit Blumenkohl und Orange, verfeinert mit Kokos und Kürbiskernen, war überraschend stimmig: die fruchtige Süße der Orange spielte schön gegen die nussigen Kürbiskerne, während der Blumenkohl dem Ganzen eine erdige Basis gab. Danach brachte das Thai-Zitronengras-Süppchen mit Wildfang-Garnele angenehme Schärfe und asiatische Frische an den Tisch. Die Garnele war auf den Punkt gegart, das Süppchen selbst samtig und aromatisch.

Beim Hauptgang setzte die Maispoularde mit gebackenem Brokkoli und Süßkartoffelstampf auf solides Handwerk – saftig, gut gewürzt, ohne Experimente, die es nicht gebraucht hätte. Den süßen Schlusspunkt setzte ein intensiver Brownie mit dunklen Beeren, luftiger Mousse und Salzkaramell, der den Abend vollmundig abrundete. Den konnte ich sogar verschwinden lassen. Ganz ohne Trick.

Getränke bestellen per QR-Code – mit kleinen Haken

So reibungslos das Essen lief, bei den Getränken gab es ein paar Stolpersteine. Bestellt wurde über einen QR-Code am Tisch, bezahlt per Karte, PayPal oder bar. Funktional und modern – bis auf einen Punkt: Die Zustellung der Rechnung hat trotz Anforderung über das System nicht geklappt. Wer Belege für eine Abrechnung braucht, könnte hier ein Problem bekommen. Außerdem ist bei Karten- oder PayPal-Zahlung ein Trinkgeld von mindestens fünf Prozent voreingestellt. Kein Drama, aber man sollte es wissen. Wer sich den Abend getränketechnisch sorgenfrei gestalten möchte, kann vorab für knapp 30 Euro eine Getränkeflatrate dazubuchen.

Noch ein Wort zu den Platzkategorien, denn die Wahl macht durchaus einen Unterschied. Es gibt First-Class-Plätze direkt vor der Bühne, Premium- und Regular-Dinner-Plätze sowie Show-Only-Tickets auf der Empore. Die Regular-Plätze auf der oberen Ebene bieten im Sitzen keinen direkten Bühnenblick – dafür lässt sich alles über die Leinwand verfolgen, oder man stellt sich während der rund 20-minütigen Showacts ans Geländer. Aus eigener Erfahrung würde ich Plätze im vorderen Bereich empfehlen, wenn euch der direkte Draht zur Show wichtig ist.

Was all dem einen besonderen Rahmen gab, war das Frauenbad selbst. Der historische Raum verleiht dem Abend eine Kulisse, die sich von gewöhnlichen Veranstaltungsorten deutlich abhebt. Hohe Decken, alte Mauern, dazu Zauberkunst und feines Essen – das passt besser zusammen, als man zunächst denken würde.

Meine Frau und ich sind an diesem Samstagabend mit einem Gefühl nach Hause gegangen, das man selten mitbringt. Nicht einfach „gut gegessen" oder „nette Show", sondern etwas dazwischen – ein Abend, der beides war und gerade durch diese Verbindung seinen eigenen Zauber entfaltete.

Dazu das Gefühl, mit wildfremden Menschen gelacht, gestaunt und Theorien gewälzt zu haben, als würde man sich schon ewig kennen. Wer einen Anlass für einen außergewöhnlichen Abend zu zweit oder in größerer Runde sucht, liegt hier richtig. Nur auf das reine Show-Ticket würde ich nach dieser Erfahrung eher verzichten – das Gesamtpaket mit Dinner ist der eigentliche Zauber.

*Hinweis: Das Magic Dinner im Frauenbad Heidelberg hat uns zum Kennenlernen eingeladen. Unsere Eindrücke und die Bewertung basieren dennoch vollständig auf unserer eigenen, unabhängigen Meinung.

Sebastian, Gründer von Heidelberg erleben

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